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Der aktuelle Kommentar

In der Foto Heft 5, Mai 2001, ist zu lesen:

Spendenaufruf "Kollegen helfen Kollegen" Im Moment erreichen uns leider viele Anfragen von in Not geratenen Architekten und Ingenieuren. Das Hilfswerk Akademischer Berufe e.V. - HAB, welches den Zweck hat, Angehörigen akademischer Berufe bzw, freier Berufe und mittelständischen Unternehmern, die im Sinne des §3 der Gemeinnützigkeitsverordnung hilfsbedürftig sind, Unterstützung zu gewähren, bittet um Spenden. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto Nummer 982112 / BLZ 70020270 bei der HypoVereinsbank München.

Nun gibt es sicher verschiedene Gründe, warum jemand in Not geraten kann. Wenn es nun aber gerade die Angehörigen eines bestimmten Berufsstandes besonders trifft, wie dies in der obigen Meldung zum Ausdruck kommt, dann muß das nach meiner Überzeugung etwas mit den Rahmenbedingungen zu tun haben, unter welchen dieser Berufsstand seine Tätigkeit ausübt.

Da kann man ja mal danach fragen, was heute als angemessene Honorierung für die Leistungen von Architekten und Ingenieuren gilt. Dafür gibt es eine Honorarordnung HOAI auf der Grundlage des "Gesetzes zur Regelung von Ingenieur- und Architektenleistungen" (MRVG vom 4.11.1971, BGBl. I 71, S.1745). Die HOAI ist geltendes Preisrecht, ähnlich den Gebührenordnungen für Ärzte, Steuerberater und Rechtsanwälte. Der BGH hat ausdrücklich in einem Urteil vom 2.5.1991 bestätigt, daß Abweichungen von den Mindest- oder Höchstsätzen dieser Gebührenordnungen unzulässig sind (Az. I ZR 227/89). Wer einen Auftragnehmer veranlasst, die für ihn gültigen Mindestsätze zu unterschreiten, verstößt damit gegen geltendes Recht.

Soweit die Theorie. In der täglichen Praxis erntet man heute zumeist nur noch Hohn und Spott, wenn man sich auf die Rechtslage bezüglich der Unterschreitung der Mindestsätze der HOAI beruft. Von einer Überschreitung der Höchstsätze (wie z.B. bei Ärzten üblich) hat noch niemand etwas gehört. Ingenieuraufträge werden derzeit zu etwa 30% der HOAI-Mindestsätze und darunter vergeben. Dazu kommt ein brutaler Verdrängungswettbewerb in der Bauindustrie mit seit Jahren fallenden Baupreisen, die als "anrechenbare Kosten" bei der Honorarermittlung nach HOAI zugrunde gelegt werden.
Was erwartet ein Auftraggeber, so muß man sich fragen, der eine Ingenieurleistung zu einem Preis einkauft, der nur ein Viertel dessen beträgt, was diese Leistung eigentlich wert ist? Muß man wirklich darauf hinweisen, daß hier grundsätzlich das gleiche gilt, wie bei BSE-Fleisch oder bei Glykol-Wein?? Und braucht man wirklich so viel Fantasie, sich auszumalen, wohin eine solche gesellschaftliche Geringschätzung eines ganzen Berufsstandes auf Dauer führen mag?

Der Zeitgeist verlangt allenthalben nach "Deregulierung", und zwar unabhängig von der politischen Couleur. Das bedeuted konkret, daß der Staat viele komplexe Gesetze macht, und sich nicht weiter um deren Einhaltung kümmert. Für den Bereich des Baurechts z.B. werden permanent neue Normen, Vorschriften und Richtlinien erlassen, immer wesentlich aufwendiger, komplizierter und umfangreicher als die vorherigen, oder auch solche, die bisher noch niemand vermisst hatte, (z.B. Sicherheits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen). Unter dem Deckmäntelchen der Subsidiarität treibt die Kleinstaaterei bei uns zusätzlich groteske Blüten. So haben wir in der Bundesrepublik heute 16 grundverschiedene Landesbauordnungen, die in gedruckter Form zusammen mit den notwendigen Kommentaren und Auslegungen eine ganze Bücherwand füllen. Den "Landesfürsten" ist dabei offenbar nichts wichtiger, als die Abgrenzung zu den anderen "Fürstentümern", auch wenn Sinn und Verstand teilweise auf der Strecke bleiben.

Parallel wird die Pflicht zur unabhängigen Überprüfung von bautechnischen Unterlagen immer weiter eingeschränkt. Damit wird ein bewährtes Instrument der Qualitätssicherung von Baukonstruktionen ohne Not und nur aus ideologischen Gründen aufgegeben.

So macht sich der Staat im Grunde selbst überflüssig. Dennoch bekommen wir keineswegs "weniger Staat", im Gegenteil, je mehr der Staat sich nur mit sich selbst beschäftigt, um so mehr wird der bürokratische Apparat aufgebläht.

Einmal ganz davon abgesehen, daß so einen Staat eigentlich niemand braucht, muß man wirklich Prophet sein, um die möglichen Folgen zu erkennen?

Meldung aus der Tagespresse am 26.Mai 2001

Boden gibt unter Hochzeitsgästen nach Familienfest in Jerusalem endet als schlimmste zivile Katastrophe Israels. Hunderte stürzten mit den einbrechenden Betonplatten krachend in die Tiefe. Mindestens 26 wurden in den ersten Stunden tot geborgen, mehr als 200 zum Teil schwer verletzt....

Israel ist zwar weit, aber angesichts der hiesigen Zustände scheint mir die Gefahr nahe. Warnende Beispiele gibt es doch schon genug, wie z.B. die ICE-Katastrophe von Eschede. Auch hier wurde dem geforderten Erfolg der Bahn-Privatisierung zu viel von der Sicherheitsphilosophie der alten Bundes- bzw. Reichsbahn geopfert.

Die Zuverlässigkeit unserer Baukonstruktionen gehört zweifellos zum Bereich der inneren Sicherheit. Im Falle eines Falles hat dann auch der Staat versagt. Bleibt zu wünschen, daß dann auch diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die "nur" indirekt verantwortlich sind. Immerhin mußte ja ein Außenminister fast zurücktreten, nur weil er mal in einem Haus gewohnt hat, in dem sich zeitweise auch eine mutmaßliche Terroristin aufgehalten hatte.

Als Zusatzinformation sei die Stellungnahme der Bundesvereinigung der Prüfingenieure zum Entwurf einer neuen Musterbauordnung (MBO) empfohlen, zu finden unter baumedien.de/pdf/dib01-np06.pdf

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